Die Pfalz Übers Wandern

Auf dem Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg

17. Mai 2018

Hier habe ich bereits erzählt, wie ich dazu kam, erstmals ganz alleine einen Fuß in den Wald zu setzen und dass ich das unbedingt wiederholen wollte. Wollte ich nämlich auch. Kurz gesagt: Ich hatte Blut geleckt! Und der Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg stand sowieso noch auf meiner Liste – also wieso nicht?

Januar ist generell nicht die übliche Zeit, in der im Pfälzerwald viele Wanderer unterwegs sind, aber das ist etwas, das ich wirklich zu schätzen weiß. Goldene Sonntage im Oktober, wenn alle in den Wald stürzen, um sich gegenseitig beim Kastanien sammeln umzubringen, sind die Hölle. Ich bin ein Fan der November, Dezember und Januare dieser Welt!

 

Versuch Nummer 2: Der Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg

Es ist also Anfang Januar, als ich ein zweites Mal bei meinem morgendlichen Kaffee sitze und aus dem Fenster schaue. Was ich sehe, ist kein goldener Oktobertag, sondern grau-in-grau-in-grau. Alles ist farblos, nur der Boden nicht, weil Schnee … ne, mit Schnee ist hier bei uns im Süden nicht so arg. Aber auf Wald habe ich trotzdem Lust, außerdem habe ich jetzt ja so gar keine Angst mehr und bin quasi schon groß!

Ich packe also erneut meinen Rucksack und entscheide mich für den Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg (Outdooractive Wegbeschreibung). Mittlerweile habe ich nämlich eine Liste, die stetig wächst.

Er ist mit etwas über 3:00 Stunden angegeben, was mir natürlich mal wieder hinten und vorne nicht reicht (sagte ich schon, dass ich unnötig viel fotografiere?), aber dazu später mehr …

 

Läuft bei mir

Ein bisschen paranoid bin ich immer noch, aber im Großen und Ganzen schon viel mutiger. Bin ja auch voll geübt jetzt, ich mach das schließlich nicht zum ersten Mal, jawohl! Außerdem komme ich aus dem Winternebel zu Hause in strahlenden Sonnenschein, während ich bergauf fahre.

Ich freue mich tierisch, als ich meinen Rucksack festschnalle, das Auto abschließe und zwischen die Bäume trete und habe auch die böse Zivilisation bald weit genug hinter mich gebracht, um einmal tief die kalte Luft einatmen und mich pudelwohl fühlen zu können.

Schmale Pfade auf dem Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg

Auf schmalen Pfaden über gefrorenen Boden

Ich habe während meiner ersten Pause sogar eine wirklich nette Begegnung mit anderen Wanderern, die zur Abwechslung mal keine gruseligen Fragen stellen, sondern eher neugierig sind. Wir plaudern kurz, anschließend ziehen sie weiter, während ich noch an einen Baum gelehnt meinen Tee fertig trinke und denke, dass es mir dieses Mal noch viel viel besser gefällt!

Blick von einem sonnenbeschienenen Felsen auf die Wälder

Für Anfang Januar ist das doch ein Traum, oder?

Ich liebe diesen Weg dafür, dass er so abwechslungsreich ist. Null trainiert, wie ich bin, ist es auch gar nicht so einfach, gleich drei Gipfel mitzunehmen. Okay, die Gipfel im Pfälzerwald sind keine richtigen Gipfel. Eher Hügel. Aber für UNS sind es Gipfel, und das ist alles, was zählt!
Die Aussicht belohnt mich jedes Mal, die Pfade auf den Bergrücken sind herrlich und ich merke: Auch ein Januar muss nicht unbedingt trostlos und grau sein!

Felsen mit Ausblick

Mini-Hulk posiert auf meinem Foto

Oben auf den Felsen, wie Eidechsen in der Sonne, treffe ich dann tatsächlich noch ein paar andere Wanderer. Auch die machen keinerlei Anstalten, die warmen Aussichtspunkte zu verlassen und ich vertreibe mir dort erst einmal ein bisschen die Zeit, ehe ich mich wieder in die Einsamkeit stürze. Wirklich viel ist auf den Wegen nämlich nicht los – aber es ist ja auch Januar!

Sonne strahlt durch Bäume

Ich liebe tiefstehende Sonne!

 

Ich liebe Sonnenuntergänge …

… vor allem, wenn ich erst die Hälfte der Strecke hinter mir habe.

Hätte ich nicht so viel Zeit damit verbracht, Sonne zu tanken und Bilder zu machen (die Sonne scheint aber auch immer SO hübsch durch die Bäume und bringt die Spinnennetze zum Glitzern! Ich habe eine Schwäche für Bäume und tiefstehende Sonnen und Nebel und Glitzer!), hätte ich vielleicht nicht in den Paranoia-Modus zurückkehren müssen. Aber irgendwie habe ich bei meiner Begeisterung für all das die Zeit vergessen und, wie schon erwähnt, es ist Januar.

Sonne strahlt durch Bäume

Eigentlich ist es ja allgemein bekannt, aber als ich über den nächsten Bergrücken gehe, lautet meine Erkenntnis des Tages: Im Januar scheint die Sonne wohl nicht sehr lange.

Und ich bin ziemlich bald ganz alleine, weil die anderen das offensichtlich alle wissen! Ich ja auch. Theoretisch.

Sonnenuntergang mit aufziehendem Nebel

Die Sonne verabschiedet sich

Obwohl ich wieder anfange, mich öfter umzudrehen, während nur noch meine Schritte im Laub zu hören sind, ist es natürlich eine wahnsinnig gelungene Kulisse, die sich mir bietet! Die untergehende Sonne zwischen den Baumstämmen, der noch leicht gefrorene Boden, aufziehender Nebel, den man in Schwaden über den Bergkamm ziehen sehen kann – wirklich, wirklich hübsch!

Und ein bisschen unheimlich.

Es wird langsam dunkel...

Natürlich führt mein Weg nach rechts … wohin auch sonst?

Aber dann wird alles ganz still.
Und noch etwas dunkler.
Und noch etwas nebliger.

Nebel zieht auf

 

Von Nebel und Gruselstimmung

Zum ersten Mal fällt mir bewusst auf, wie viele Geräusche es im Wald eigentlich gibt, die plötzlich ausbleiben. Glücklicherweise habe ich eine große Tafel Schokolade dabei und verordne mir erst einmal eine Zwangspause. Meine Fantasie ist nicht übel, wirklich, und in diesem Moment, in dem ich an all die Gruselfilme denke, geht sie ein bisschen mit mir durch. Aber wenn ich aus meinen Büchern etwas aus aufziehendem Nebel gelernt habe, dann, dass Schokolade immer gegen Dementoren hilft! Und das tut sie überraschenderweise wirklich.

Nebel zieht auf

Und so entstehen Bilder, die ich immer noch über alles liebe, weil sie weit von dem abweichen, was ich sonst so gesehen habe, in unseren sommerlichen Familienausflugs- und Kastanien-Sammel-Wanderungen von früher.

Wald im Nebel

Es ist, trotz allem oder vielleicht gerade deswegen, eine meiner schönsten Wanderungen bisher!

Nicht nur wegen der abwechslungsreichen Strecke, die mir gut gefällt und die ich gerne unter „üblicheren“ Gegebenheiten noch einmal laufen möchte; vielmehr wegen der Umstände, dem Licht, dem Nebel und wie der Wald allgemein aussieht. Eben mehr wie eine verdammt gute Filmkulisse und weniger wie ein sommerlicher Sonntagsausflug.

Der Dimbacher Buntsandsteinhöhenweg bleibt auf meiner Liste!

Und ich freue mich jetzt schon wieder auf den Winter – auf die Zeit, in der der Wald den wenigen Bekloppten gehört, die Kälte und Düsternis etwas abgewinnen können, wenn sie es nicht gerade ein kleines bisschen creepy finden!

Nebel im Wald

Nebel im Wald

Da spielt die Fantasie schon ein bisschen verrückt!

 

*
Könnt ihr Nebel und “schlechtem” Wetter auch so viel abgewinnen wie ich? ♥ Ich muss ja zugeben, dass das auch ein Grund dafür ist, dass ich Großbritannien & Co so liebe!

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4 Comments

  • Reply Juliane 17. Mai 2018 at 14:46

    Tolle Bilder- toller Bericht!!! Ich mache meist keine Bilder, sondern will Strecke machen Nein, so schlimm ist’s auch nicht, aber ich schau mich meist einfach nur um und ziehe dann weiter. Nimmst du richtig fancy Fotoausrüstung mit oder knipst Du mit Smartphone? In deinem Bericht über das Alleinwandern sind Bilder von Dir. Hast scheinbar also auch ein Stativ dabei? Ist schon nett ein paar Erinnerungsbilder zu haben. Sollte ich mal überdenken. LG, Juliane

    • Reply Pat 20. Mai 2018 at 13:26

      Hallo Juliane, vielen Dank! ♥ Haha, ja, ich neige verstärkt dazu, unnötig in der Gegend herum zu knipsen. Mache ich, seit mein Handy Kamera hat und selbst wenn ich den gleichen Feldspaziergang zum 5ten Mal die Woche mache und kein Mensch diese Bilder sehen will, also ich glaube, auf gemeinsamer Wanderung würde ich dich in den Wahnsinn treiben! 😀 Mir macht das großen Spaß, aber du hast natürlich Recht, manchmal bleibt das Streckemachen dabei ein wenig auf der Strecke. Fancy Fotoausrüstung habe ich nicht, wäre mir viel zu schwer, aber eine Systemkamera, die fast immer mit darf. Und für Selfies habe ich einen kleinen Tripod, obwohl es ein Baumstumpf oder ein Ast, an den ich meine Kamera mit dem Gurt hängen kann, auch oft genug tut.
      Ich finde das Schönste am Fotografieren, dass man das Gesehene hinterher teilen kann – das vermisse ich beim Alleinewandern, etwas Tolles zu sehen und niemandem davon erzählen zu können.
      LG Patricia

  • Reply Sinja 29. Juni 2018 at 8:34

    Was für ein schöner Blogpost!
    Und die Bilder erst!! Patricia die Tour will ich mal mit dir gehen 😛 , die ist ja traumhaft.
    Liebste Grüße der Abenteurfrauen – Sinja 🙂

    • Reply Pat 1. Juli 2018 at 22:06

      Hallo Sinja,
      dankeschön! 🙂 Und ich fänds cool, die Tour (oder wahlweise jede andere) mit dir zu gehen! ♥
      Liebe Grüße

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